„Angeblich kommen Leute über ChatGPT zu uns.” Schön — tun sie das wirklich?

Diesen Satz hört heute fast jeder Unternehmer. Jemand hat ihn beim Mittagessen aufgeschnappt, jemand anderes in einem Newsletter gelesen. Was damit anzufangen ist, lässt sich einfach beantworten: Schauen Sie in Ihre Webanalyse. Ein Besuch über ChatGPT ist weder Magie noch eine neue Messgröße — es ist ein gewöhnlicher Klick von einer fremden Website, nur dass diese Website ein Chat ist.

Die Überprüfung dauert fünf Minuten. Schwieriger ist der zweite Teil: zu verstehen, was die Zahlen in der Tabelle bedeuten. Denn eine Null heißt nicht, dass ChatGPT Sie nicht kennt. Und einige Dutzend Sitzungen bedeuten allein noch nicht, dass Ihnen die KI Geld einbringt.

Klären Sie zuerst, was Sie eigentlich wissen möchten

Unter der Frage, ob man „in ChatGPT sichtbar” sei, vermischen sich zwei verschiedene Anliegen. Die Webanalyse beantwortet nur eines davon.

FrageWo finden Sie die Antwort?
Ist jemand über ChatGPT auf unsere Website gekommen?Google Analytics 4
Erwähnt ChatGPT uns, wenn Menschen nach Angeboten aus unserer Branche fragen?Durch wiederholtes Stellen konkreter Fragen
Was hat der Besucher auf der Website getan?GA4 — Einstiegsseiten, gemessene Aktionen, Formulare
Ist daraus eine Anfrage entstanden?E-Mail, CRM oder Anfrageverwaltung

KI-Traffic belegt also, dass jemand tatsächlich geklickt hat. Er misst nicht Ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten — diese kann keine Webanalyse vollständig erfassen, weil sie sich in fremden Unterhaltungen abspielt, auf die Sie keinen Zugriff haben. Ausführlicher behandelt das der Artikel Was sagt ChatGPT über Ihr Unternehmen — und wie finden Sie es heraus?.

Wo Sie diese Besuche in GA4 finden

So gehen Sie ohne fremde Hilfe vor:

  1. Öffnen Sie im linken Menü Berichte
  2. Wählen Sie AkquisitionNeu generierte Zugriffe
  3. Stellen Sie die Dimension über der ersten Tabellenspalte auf Sitzungsquelle (oder Sitzungsquelle/-medium) um
  4. Geben Sie chatgpt in das Suchfeld über der Tabelle ein
  5. Wiederholen Sie die Suche mit perplexity

Falls die Anleitung nicht zu Ihrer Benutzeroberfläche passt, prüfen Sie, auf welche Analytics-Version sie sich bezieht. Google stellte das ältere Universal Analytics 2023 ein; dessen Daten sind nicht mehr verfügbar. Die heute verwendete Version ist GA4, in der sowohl die Berichte als auch die Metriken anders heißen. Im Internet kursieren weiterhin zahlreiche Anleitungen mit veralteten Ansichten.

Suchen Sie nach Teilen des Namens und nicht nach vollständigen Einträgen. Je nachdem, wie ein Link geöffnet wurde, können Sie auf chatgpt.com, perplexity.ai oder auch das ältere chat.openai.com stoßen. Wenn Sie ausschließlich nach der vollständigen Kombination aus Quelle und Medium suchen, übersehen Sie einen Teil der Treffer.

Beschränken Sie sich außerdem nicht auf zwei Namen. Auch andere Assistenten können auf Quellen verlinken. Suchen Sie deshalb auf dieselbe Weise nach gemini.google.com, copilot.microsoft.com und claude.ai. Sie ändern dabei lediglich den Begriff im Suchfeld.

Dass ein Besuch überhaupt erkannt wird, ist nicht selbstverständlich. Bei Links aus ChatGPT hilft der Parameter utm_source=chatgpt.com, den OpenAI an ausgehende Links anhängt. Ohne eine solche Kennzeichnung würde ein erheblicher Teil dieser Besuche im direkten Traffic verschwinden. Bei anderen Assistenten können Sie eine entsprechende Kennzeichnung nicht automatisch voraussetzen; manche ihrer Klicks landen ebenfalls im direkten Traffic.

Wenn der Bericht Neu generierte Zugriffe nicht im Menü erscheint, ist er nicht defekt — jemand hat ihn aus der Navigation entfernt. Ein Nutzer mit Bearbeitungsrechten kann ihn in der Berichtskonfiguration wieder hinzufügen.

Welche Angaben Sie einblenden sollten, damit die Zahlen aussagekräftig werden

Die reine Zahl der Sitzungen ist die am wenigsten interessante Angabe in der gesamten Tabelle. Fügen Sie als zweite Dimension Landingpage + Abfragestring hinzu. Dann sehen Sie das Wesentliche: Auf welcher Seite sind Besucher aus KI-Diensten eingestiegen?

Beobachten Sie:

  • die Anzahl der Sitzungen und Sitzungen mit Interaktion,
  • die Einstiegsseiten,
  • Schlüsselereignisse — abgesendete Formulare sowie Klicks auf Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.

Die Einstiegsseite verrät mehr als die Gesamtzahl der Besuche. Kommen Menschen auf eine bestimmte Anleitung oder Leistungsseite, erhalten Sie einen Hinweis darauf, welche Art von Inhalt diese Klicks auslöst — und wovon sich mehr lohnen könnte. Behandeln Sie das jedoch als Hypothese, nicht als bewiesene Tatsache: GA4 zeigt lediglich die Seite, auf die jemand geklickt hat. Ob die KI diese Seite tatsächlich als Quelle genannt hat oder der Besucher auf einem anderen Weg dorthin gelangte, lässt sich aus der Webanalyse nicht erkennen. Landen Menschen auf einem allgemeinen Artikel, von dem kein Weg weiterführt, haben Sie zwar einen Besuch, aber noch keine Anfrage. Wie Sie diesen Weg schaffen, erklärt Interne Links: Artikel und Leistungsseiten sinnvoll verbinden.

Warum Sie Besuche aus ChatGPT niemals in der Search Console finden

Das ist die häufigste Sackgasse. Die Search Console misst die Leistung Ihrer Website in der Google-Suche — wie oft eine Seite in den Suchergebnissen angezeigt und wie oft sie angeklickt wurde. Sie ist keine Übersicht über den gesamten Website-Traffic.

ChatGPT und Perplexity sind Dienste außerhalb von Google. Ihre Klicks gelten aus Sicht der Webanalyse als gewöhnlicher Verweis-Traffic und gehören in GA4. In der Search Console werden Sie sie nicht finden. Das liegt weder an einer fehlenden Einstellung noch an einer fehlerhaften Verknüpfung.

Aus demselben Grund ist eine derzeit häufig geäußerte Schlussfolgerung unzulässig: „Unsere Klicks aus Google sind gesunken, weil die Menschen jetzt mit KI suchen.” Es können zwei voneinander unabhängige Entwicklungen sein — etwa wegen eines geänderten Seitentitels, neuer Konkurrenz auf der ersten Ergebnisseite oder saisonaler Schwankungen. Beobachten Sie beides getrennt, statt das eine automatisch mit dem anderen zu erklären. Wie Sie die Search Console ohne Marketingjargon lesen, zeigt Search Console für Unternehmer.

Warum GA4 null Besuche anzeigen kann, obwohl ChatGPT Sie empfiehlt

Eine Null in der Tabelle bedeutet nur eines: GA4 hat im gewählten Zeitraum keinen Besuch mit einer entsprechenden Quelle erkannt. Sie bedeutet nicht, dass eine KI Sie nie erwähnt hat.

Die häufigsten Gründe, warum ein Besuch nicht angezeigt wird oder gar nicht erst entsteht:

  • Niemand hat geklickt. Die Person erhielt ihre Antwort direkt im Chat und war damit zufrieden. Es gab eine Erwähnung, aber keinen Klick.
  • Die Quelle ging verloren. Der Besuch landete unter (direct) / (none) — so kennzeichnet GA4 Sitzungen, deren Quelle nicht ermittelt werden kann. Das geschieht bei Weiterleitungen, aus Apps geöffneten Links oder wenn Besucher die Messung blockieren.
  • Der Besuch wird nicht gemessen. Der GA4-Code fehlt auf einem Teil der Seiten oder das Cookie-Banner startet die Analyse erst nach einer Zustimmung, die viele Besucher nicht erteilen.
  • Es gibt zu wenige Daten. Eine Website mit einigen Hundert Besuchen pro Monat bietet schlicht keine ausreichende Grundlage für einen Trend.
  • Der Zeitraum ist zu kurz. Sie betrachten eine Woche, obwohl erst ein Quartal eine sinnvolle Aussage erlaubt.

Beim Blick in Serverprotokolle wartet eine weitere Falle: Einträge von OpenAI-Bots sind keine Besucher. Die Bots unterscheiden sich zudem nach ihrem Zweck und sollten nicht verwechselt werden:

  • GPTBot lädt Inhalte zum Trainieren von Modellen herunter.
  • OAI-SearchBot erfasst Seiten für die Suche, aus der ChatGPT Links für seine Antworten bezieht.
  • ChatGPT-User ruft eine Seite ab, wenn eine konkrete Unterhaltung dies anfordert.

Keiner dieser Bots gehört in die Zahl der Menschen, die über ChatGPT auf Ihre Website kamen. Es handelt sich um Serveranfragen ohne Browser, die deshalb nicht in GA4 erscheinen. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Protokoll und Webanalyse: Das Protokoll erfasst auch Bots, GA4 dagegen nur Menschen, bei denen der Messcode geladen wurde. Wer beides zusammenzählt, erhält ein durchaus beeindruckendes, aber völlig sinnloses Ergebnis.

Diese Unterscheidung hat auch außerhalb der Statistik praktische Folgen. Wenn Sie GPTBot in der Datei robots.txt sperren, betrifft dies das Modelltraining. Eine Sperre von OAI-SearchBot verringert dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass ChatGPT Ihre Website überhaupt als Quelle anbietet. Bevor Sie einen Regelblock aus dem Internet übernehmen, sollten Sie daher prüfen, welchen Bot Sie tatsächlich aussperren.

So erkennen Sie, ob dieser Traffic einen Nutzen hat

Bei einem kleinen Unternehmen ist es wenig sinnvoll, eine Quelle allein nach ihrem Volumen zu bewerten. Ein Besuch, der zu einem Anruf führt, ist mehr wert als fünfzig Artikelaufrufe. Gehen Sie deshalb diese vier Fragen in der folgenden Reihenfolge durch:

  1. Welche Seiten besuchen die Menschen? Geht es dort um das, was Sie verkaufen möchten, oder um einen zufälligen Artikel am Rand Ihres Fachgebiets?
  2. Gehen sie weiter? Wechseln sie vom Artikel zu einer Leistung, den Preisen, Referenzen oder zur Kontaktseite?
  3. Führen sie eine messbare Aktion aus? Senden sie ein Formular ab, klicken sie auf die Telefonnummer oder öffnen sie eine E-Mail-Adresse?
  4. Entsteht daraus eine Anfrage? Das können Sie nur in Ihren E-Mails, im CRM oder im Gespräch überprüfen — die Webanalyse kann es nicht zweifelsfrei bestätigen.

Beim dritten Punkt liegt häufig das Problem. Ein allgemeines GA4-Ereignis namens form_submit reicht nicht aus, wenn auf Ihrer Website drei verschiedene Formulare laufen — etwa ein Anfrageformular, eine Newsletter-Anmeldung und eine Terminanfrage. Dann wissen Sie nicht, welches Formular abgesendet wurde. Die Lösung ist ein separates Schlüsselereignis für Anfragen, beispielsweise lead_form_submit. Bei Formularen, die über ein iframe eingebettet sind oder auf einer fremden Domain laufen, muss die Messung meist zusätzlich über den Google Tag Manager eingerichtet werden. Andernfalls wird das Absenden überhaupt nicht an die Webanalyse übertragen.

Genau an dieser Stelle kommen Unternehmen am häufigsten nicht weiter — und wir können diese Aufgabe übernehmen. Die Erstanalyse prüft Messung und Inhalte und zeigt, ob das Problem darin besteht, dass die KI Ihr Unternehmen nicht erwähnt, oder ob zwar Besucher kommen, sie aber keinen sinnvollen nächsten Schritt finden.

Eine gespeicherte explorative Datenanalyse statt monatlicher Suche

Eine einmalige Kontrolle nach der Lektüre dieses Artikels zeigt noch keinen Trend. Legen Sie in GA4 eine explorative Datenanalyse an, die Sie jedes Mal in derselben Form öffnen können.

Erstellen Sie im Bereich Erkunden eine freie explorative Datenanalyse und stellen Sie Folgendes ein:

  • Zeilen: Sitzungsquelle und Landingpage + Abfragestring
  • Werte: Sitzungen, Sitzungen mit Interaktion, Schlüsselereignisse
  • Filter: Quelle enthält chatgpt.com, perplexity.ai, gemini.google.com, copilot.microsoft.com, claude.ai und gegebenenfalls chat.openai.com

Vergleichen Sie die letzten 90 Tage mit den vorherigen 90 Tagen. Bei einem kleinen Unternehmen sind die Daten eines einzelnen Monats häufig so dünn, dass schon eine zusätzliche Person wie ein Trend aussieht.

Notieren Sie anschließend jeden Monat fünf Zeilen — notfalls einfach in einem Notizbuch:

KennzahlWas Sie daraus ablesen können
Sitzungen aus KI-QuellenWie viele erkannte Klicks eingegangen sind
Häufigste EinstiegsseitenAuf welchen Seiten Besucher aus KI-Diensten landen
SchlüsselereignisseOb die Besucher einen geschäftlich relevanten Schritt ausgeführt haben
Bestätigte AnfragenWelchen tatsächlichen Nutzen das Unternehmen hatte
Änderungen an der WebsiteWodurch sich die Entwicklung erklären lässt

Die letzte Zeile wird häufig ausgelassen — und später rätselt man über Schwankungen. Dabei genügt eine Notiz wie „Leistungsseite am 18.06. überarbeitet”, damit das Diagramm drei Monate später verständlich bleibt. Was Sie bei Inhalten beobachten sollten und was Sie ignorieren können, erklärt ausführlicher So erkennen Sie, ob sich Inhalte auszahlen.

Was eine solche Messung kostet

Für die grundlegende Kontrolle müssen Sie nichts kaufen. GA4 ist kostenlos und für diesen Zweck ausreichend — vorausgesetzt, es misst nicht nur Seitenaufrufe, sondern auch abgesendete Formulare und Klicks auf Telefonnummern.

Kosten entstehen an anderer Stelle: bei der Ersteinrichtung und vor allem bei der Überprüfung, ob die Ereignisse tatsächlich erfasst werden. Diese Investition lohnt sich. Ein halbes Jahr voller Entscheidungen auf Grundlage fehlerhafter Daten kostet ein kleines Unternehmen mehr als eine gründliche Prüfung von GA4, Cookie-Banner und Tag Manager.

Kostenpflichtige Werkzeuge für „KI-Sichtbarkeit” lösen eine andere Aufgabe: Sie stellen wiederholt Fragen und beobachten, ob Ihr Unternehmen in den Antworten erscheint. Das kann nützlich sein, misst aber weder einen einzigen Websitebesuch noch eine einzige Anfrage. Solche Werkzeuge ersetzen GA4 nicht, sondern ergänzen es.

Was Sie je nach Ergebnis tun sollten

Sie sehen Besuche aus KI-Diensten. Prüfen Sie, welche Seiten diese Besuche erhalten, und verfolgen Sie den Weg von dort zur Leistung und zur Kontaktaufnahme. Veröffentlichen Sie nicht automatisch fünf weitere allgemeine Artikel zum selben Thema. Ergänzen Sie besser das, was auf den erfolgreichen Seiten noch fehlt: Preise, Abläufe und konkrete Antworten.

Sie sehen keine entsprechenden Besuche. Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor, damit Sie nicht an den Inhalten arbeiten, bevor die Messung geprüft wurde:

  1. Kontrollieren Sie, ob GA4 überhaupt misst und die Schlüsselereignisse erfasst werden.
  2. Erweitern Sie den Zeitraum auf 90 Tage.
  3. Prüfen Sie neben ChatGPT auch weitere KI-Quellen.
  4. Finden Sie heraus, ob KI-Dienste Ihr Unternehmen bei relevanten Fragen überhaupt erwähnen.
  5. Beschäftigen Sie sich erst danach mit inhaltlichen Lücken.

Diese Reihenfolge ist keine Formalität. Ohne sie verfassen Sie möglicherweise weitere Artikel zu einem Problem, das in Wirklichkeit vom Cookie-Banner verursacht wird. Falls eine KI Sie tatsächlich nicht erwähnt, liegt die Aufgabe bei den Inhalten. Nach welchen Kriterien ChatGPT entscheidet und was es in seinen Antworten bevorzugt, behandelt Nach welchen Kriterien ChatGPT Empfehlungen auswählt.